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Brasilien: Infrastruktur auf der Reservebank? O-Ton Ana Araújo

Die WM in Brasilien ist ein Millionengeschäft – auch für die Baubranche. Die WM-Städte putzen sich heraus, es fließt viel Geld in Stadien, neue Straßen, saubere Strände. Für vier Wochen im Juni und Juli möchte sich das größte lateinamerikanische Land von seiner besten Seite zeigen. Doch viele Menschen in den WM-Städten finden das ungerecht: Auch sie fordern „Infrastruktur“ – denn sie warten seit Jahren vergeblich auf Schulen, Krankenhäuser, einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr und eine Wasserversorgung. Und nicht nur das: Sie fordern, dass die Menschen in Brasilien nicht unter dem Sportspektakel leiden, sondern nachhaltig davon profitieren.

02:40 | 15.04.2014

"Ich bin Ana Araújo, 20 Jahre alt, ich wohne im Viertel „Mata Escura“, Salvador, Bahia, Brasilien. Es ist eine etwas kritische Situation. Wir sind sozusagen von der Öffentlichkeit verlassen. Wir sind uns selbst überlassen, es gibt keinen Ort, an dem wir uns entwickeln können. Das bedeutet, dass wir, die Kinder und Jugendlichen, sehr am Rande der Gesellschaft sind und uns von Öffentlichkeit und Staat verlassen fühlen. Wir sind die Letzten der Letzen der Letzen der Letzten, um die sich die öffentlichen Organe sorgen. Es scheint, als ob andere Belange immer wichtiger sind als unsere.

Ich denke, die Weltmeisterschaft ist sogar zum Lachen, denn ich denke, dass sie nicht hier in Brasilien stattfinden sollte. Wir haben viele andere Probleme, die gelöst werden könnten. Wir sollten dieses Bild loswerden, dass alle Brasilianer nur Fußball, Samba und Karneval im Kopf haben. Es gibt viele Brasilianer wie mich, die möchten, dass sich ihr Land entwickelt, dass ihr Land in Bildung investiert, in die Gesundheit.

Natürlich sind wir ein feierfreudiges Volk, das Feste liebt, wer mag das letztendlich nicht? Aber ich bin nicht der Typ Mensch, der nur dafür lebt. Meiner Meinung nach ist dieses von Brasilien verkaufte Bild falsch. Nicht alle Brasilianer identifizieren sich damit, aber das Bild von Brasilien ist, dass alle Brasilianer sich damit identifizieren.

Es gibt Leute, die die Vorstellung verbreiten wollen, dass Brasilien ein reiches Land ist, dass sich um nichts Sorgen machen muss und dass es jetzt nur Karneval, Weltmeisterschaft und Party gibt.

Meiner Meinung nach ist die Weltmeisterschaft heute, in diesem Moment, nicht notwendig. Brasilien hat immer Geld übrig, um es anderen Ländern zu leihen, hat immer Geld, um das Bild eines reichen Landes „einzukaufen“, aber wir haben diesen Reichtum noch nicht erlebt, wir haben diese Verbesserung noch nicht erlebt, haben diese Gesundheit noch nicht erlebt, von der sie sagen, dass wir sie haben. Wir haben diese Bildung noch nicht erlebt, von der sie sagen, dass wir sie haben, haben die Stadtentwicklung noch nicht erlebt. Hier ist es so, wie ihr es hier gerade seht. Sie wollen alles vertuschen und den Müll unter den Teppich kehren und dieses perfekte Bild verkaufen. Also, in diesem Moment, stimme ich zu, dass die Weltmeisterschaft nichts Notwendiges oder Gutes ist. Ich denke, dass es viele andere Probleme gibt, die gelöst werden könnten mit diesem Geld, das für die Weltmeisterschaft ausgegeben wird."

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Autor: Brot für die Welt/Niko Wald
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