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Brasiliens Fußball-Kultur im Abseits - Danilo Moura im Interview

Pommes rot-weiß, Currywurst und ein Bier – das gehört für Fußball-Fans in Deutschland zum Live-Erlebnis im Stadion. Auch in Brasilien gibt es einen solchen Snack: Acarajé – Bällchen aus Bohnenmus und Krabben, frittiert in Palmöl. Frauen, die Baiana genannt werden, stellen den Snack an fast jeder Straßenecke in Salvador frisch her. Unverkennbar dank der bunten, ausladenden Kleider: ihre afrikanischen Wurzeln, auf die sie sehr stolz sind. Doch den Baianas droht Ungemach, wie auch den anderen Kleinhändlern und -verkäufern rund um die Stadien: Die Fifa-Regeln lassen ihnen keinen Platz. In der Bannmeile rund um die WM-Stadien dürfen die Sponsoren Kasse machen. Sie haben sich millionenschwer eingekauft. Die kleinen Händler und die Snack-Köchinnen bleiben Zaungäste. Für sie gibt es keinen Platz. Doch eine Initiative, unterstützt über den Kleinprojektefonds von Brot für die Welt, hat einen kleinen Sieg errungen: Einige Baianas dürfen auch während der WM vor dem Stadion in Salvador Acarajé verkaufen.

03:55 | 15.04.2014

"Ich bin Danilo Moura vom Institut Palmares zur Förderung der Gleichberechtigung. Ich bin Berater des  Verbandes der Acarajé-Baianas.

Die Weltmeisterschaft erweist sich in Brasilien, vor allem im Bundesstaat Bahia, in Salvador, als starkes Element der Diskriminierung, als starkes Element der Ausweitung der sozialen Unterschiede. Die Baianas wurden zunächst ausgeschlossen von der Weltmeisterschaft, von ihrem traditionell angestammten Handels- und Verkaufsplatz vertrieben. Und das verletzte unsere Identität. Das hat auch die brasilianische Gesellschaft so empfunden. Es entstand eine soziale Mobilisierung hier in Brasilien: Die Entscheidung wurde zurückgenommen und die Baianas waren wieder Teil der Weltmeisterschaft. Aber immer noch auf eine schwache Art und Weise und mit einer schlechten Perspektive, weil den Baianas ihre Rechte nicht garantiert wurden, auch wenn sie momentan bei der Weltmeisterschaft dabei sind.

Dank der Bewegung, dank der Mobilisierung der Gesellschaft, sah sich die FIFA gezwungen, die Entscheidung zurückzunehmen, die Baianas nicht bei den offiziellen Spielen des Confed Cups und der Weltmeisterschaft dabei zu haben und war gezwungen, den Baianas Zutritt zu den Stadien zu gewähren. Das ist ein symbolischer Sieg für Brasilien, denn wir konnten unsere kulturelle Identität bei diesem Sportereignis behaupten. Acarajé ist ein Nahrungsmittel, das mit den Schwarzen, die in der Kolonialzeit als Sklaven nach Brasilien gebracht wurden, aus Afrika kam. Es ist ein Lebensmittel auf Bohnenbasis, das in Dendéöl frittiert wird und eine der wichtigsten kulinarischen Spezialitäten der afrobrasilianischen Küche.

Acarajé ist für Bahia das, was Bier für Deutschland ist. Anders ausgedrückt, es ist Teil der Identität, es ist Teil dessen, was dieses Volk als Kultur hervorbringt. Acarajé ist ein heiliges Essen, das in den afrobrasilianischen Religionen der Gottheit Oyá gewidmet wird, die Gottheit, die das Feuer und die Winde beherrscht. Und dieses Essen wird mit der Ausübung dieser Religion verbunden, dem Candomblé. Dieses Essen auf der Straße zu verkaufen ist Teil des rituellen Prozesses der Einführung einer Person bei der Gottheit Oyá. In diesem Sinn ist Acarajé Teil der Kultur, es ist der baianischen Kultur und Identität inhärent.  Es ist ein konstitutives Element dieser Identität!"

Format

16:9

Sprachen
Brasilianisch / Portugiesisch
Rechtliches

Copyright: 2014 Brot für die Welt
Autor: Brot für die Welt/Niko Wald
Lizenz: Verwendung nur für die Berichterstattung über Brot für die Welt

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